ARMALAUSER
Karte 50 n.Chr.
Anhang 1
Anhang 2
Anhang 3
Anhang 4
Anhang 5
Anhang 6
Anhang 7
Anhang 8
Anhang 9
Anhang 10
Anhang 11
Anhang 12
Geschichte

Die Geschichte der ARMALAUSER.

 

Stand: Januar 2012

Die Narisker sind der erste bekannte Volksstamm, der die Oberpfalz besiedelte. Die genaue Herkunft der Narisker liegt im Dunkel der Geschichte.  Die Meinungen schwanken zwischen „ur“-keltisch, venetisch, germanisch (160 n. Chr.) bis hin zu (um 400 n. Chr.) slawisch. Eine Mischung von allem scheint uns am Wahrscheinlichsten.

Auf alten römischen Karten (Anhang 1 mit 3) war das Siedlungsgebiet folgendermaßen eingezeichnet:

 Narisker(Narisci): Hauptsächlich im Oberpfälzer Vilstal und Naabtal, zwischen Amberg, Weiden und Kallmünz. Um die Zeitenwende wird ein im sächsischen Voigtland und in Oberfranken ansässiger Keltenstamm der Varisker (verballhornt Narisker) genannt. Vergleiche dazu auch den Namen der Stadt Hof, derer Benennung “curia variscorum”, zu deutsch “Fürstenhof der Varisker” lautet. Dies entspricht nicht nur der Angabe des Ptolemäus, der unter dem Sudetagebirge (Erzgebirge) Valistoi anführt, sondern auch der lateinischen Bezeichnung des Voigtlandes mit Variscia.

 Armalauser (Armalausi): Im Süden und Westen der Narisker, am Regen und im Altmühltal, nördlich der Donau – bei Kehlheim und bei Ingolstadt.

Dazu sei erwähnt, dass auf dem bekannten Burgberg in Kallmünz eine sehr bedeutende keltische Wallanlage entdeckt wurde und in Kehlheim (wo heute die Befreiungshalle steht) sind noch große Reste einer keltischen Burg oder Festung mit kilometerlangen Wällen zu finden.

Die Armalauser und die Narisker (Naristo) lebten nachweislich im 1. bis ins 3.Jh. n. Chr., nachdem sie bojische und vindelikische oder andere unbekannte keltische Volksreste verdrängt haben, in den Tälern der Altmühl, der Naab, des Regens und weiter in der anschließenden Donauebene bis in die Passauer Gegend und östlich davon im Gau Stadevanga.

Für die Armalauser und die Narisker bestehen sehr viele Namensvariationen: Armalausi, Narisci, Armalisci, Varisker, Arisken, Narisken, Varisken, Aristen, Naristen, Varisten, Aristo, Naristo und viele mehr.

Der lateinische Name der Armalauser oder Armalausen war Armalausi. Auf Deutsch übersetzt bedeutet der römische Name „die Ärmellosen“ (Anhang 4 und 5). Auch wurde bei den Römern ein ärmelloser Kurzumhang “armalausi” genannt. Wir selbst nehmen die  Übersetzung locker und sehen uns als „die armen Läuse“ oder auch, wie ein echter Oberpfälzer sagen würde: „a armer Lauser. Die Römer in Castra Regina sprachen auch gerne über die Narisker als die „Ärmellosen“.

Alle diese Hinweise deuten auf ein „gemischtes Volk“ hin.

Die Narisker und die später erscheinenden Armalauser sind allem Anschein ein und der selbe Stamm.

Tacitus schreibt, dass die Armalauser von den benachbarten Alemannen im Westen, den suebischen Stämmen der Hermunduren im Norden und den Markomannen im Osten germanisiert wurden. Er zählt sie bereits zu den Germanen. Sie sind, wie fast alle germanischen Stämme gegliedert in Familien und Sippen. Überliefert sind die Hirsch-Sippe, die Adler-Sippe, die Eber-Sippe und die Donar-Sippe. Gemeinsam kämpfen die Armalauser mit den Markomannen im 1. Markomannenkrieg 166 n. Chr. gegen die Römer des Marcus Aurelius.  Als Kommandant der Legio I Adiutrix säuberte Helvius Pertinax die Provinzen Noricum und Raetien von versprengten Feinden. Bei einem seiner Züge ins Feindesland dürfte sich auch das vielzitierte Regenwunder (siehe Mark-Aurel-Säule in Rom) zugetragen haben. Hauptgegner scheint nach den römischen Quellen das germanische Volk der Narisken gewesen zu sein, dessen Wohnsitze nördlich der norischen Donau in Oberösterreich angegenben werden (der Flussname Naarn könnte von den Narisken herstammen). Neben der Legion beteiligte sich noch die in Arrabona (Györ, Ungarn) liegende Ala I Hispanorum Aravacorum an dieser Expedition. Ihr Kommandant M. Valerius Maximianus soll dabei eigenhändig den legendären Naristenkönig Valao getötet haben. Außerdem führte der Präfekt der damals in Noricum stationierten Ala Tampiana L. Iulius Vahilius Gratus Iunus als “praepositus vexilatoiu tempore belli Germanici et Sarmatici” das Kommando über ein vermutlich aus norischen Auxiliareinheiten bestehendes Detachement (für besondere Aufgaben abkommandierte Truppeneinheit). Der in dieser Quelle dem suebischen Volk zugerechnete Stamm im südlichen Germanien verschwindet seit dem Markomannenkrieg des Jahres 166 nach der Zeitenwende.

Vorher schon lassen die Narisker/Armalauser die Obier und Langobarden (mit mehr als 6000 Mann) durch ihr Gebiet ziehen, was den Zorn Roms gegen die Armalauser  aufbrachte.

Einige Stammesgruppen der Narisker wandern schon vom 2. bis ins 5. Jahrhundert aus oder wurden umgesiedelt. Sie fanden wohl als Warasci neue Sitze in Burgund und werden hier als Bonosianer von Eustasis und Agilus bekehrt, denn Johann Kaspar ZEUSS (deutscher Philologe, 1806-1856) glaubt noch in den Quellen des sechsten bis neunten Jahrhunderts in den am Abhang des Jura und an der Saone vorkommenden Warasci die Abkömmlinge jener von Marc Aurel angesiedelten Narisker wiederzufinden. Es gibt aber auch Quellen die aussagen, dass die Narisker entweder zu Beginn des 5. Jahrhunderts mit den Burgundern (im Gefolge der Vandalen) auswanderten oder später von den Thüringern verdrängt wurden. Andere Quellen wieder sagen, dass die Narisker um ca. 534 teilweise von den Franken nach Burgund umgesiedelt wurden, nachdem die Franken vorher die Burgunder und Thüringer unterworfen hatten.

Die Armalauser sind nach anderen Quellen vermutlich auch ein Teilstamm der Hermunduren. Der Historiker und Kartograph Philippus BRIETIUS zeichnet sie im Jahr 1650 auf seiner Karte des Imperium Romanum in der Gegend der Oberpfalz ein.

Im 5. Jahrhundert fand auch eine, in den sehr spärlichen Quellen nicht näher erwähnte, Spaltung im Stammesgefüge der Armalauser statt. So ist es denkbar und wahrscheinlich, dass ein kleiner Teil des Stammes sich mit den Alemannen (siehe auch Anhänge 6 mit 12) vermischte und der Rest im Stammesverband der Bajuwaren fortbestand.

Über die bayerische Stammesgeschichte gab und gibt es nicht wenige kontroverse Diskusionen. Inzwischen wurden viele dieser Streitigkeiten ausgeräumt. Wir wissen viel von den Kelten im süddeutschen Raum, wissen aber auch, dass nicht alle Römer beim Zusammenbruch des römischen Reiches das Land verlassen haben. Kostbare Spuren ihrer Zivilisation gruben nicht nur die Archäologen aus, sie finden sich heute noch in der bayerischen Sprache. Das Wissen um die Almwirtschaft (alpes) mit dem Käse (caseus), dem (!) Butter (butyrus) und dem Senn (senior) haben romanisch sprechende Leute wohl direkt den Bayern übergeben, ebenso die Kenntnis vom Bau von Fenstern (fenestra) und Türen (porta, Pforte). Einen Teil der romanischen Vorbevölkerung respektierten die Bayern als direkte Untergebene des Herzogs: die Barschalken. Sie waren zwar nicht so frei wie die Bayern, durften aber Waffen tragen. In der näheren Umgebung Salzburgs und Münchens/Unterhaching (wie die neusten Gräberfunde beweisen) gab es sogar noch bis ins späte 6. Jahrhundert romanische und ostgotische Adelsfamilien, die einen regen und engen Kontakt mit Verona, Rom und Ravenna pflegten.

Auch die Germanenstämme der Völkerwanderungszeit haben ihre Spuren hinterlassen. Möglicherweise durch ihre Vermittlung gelangten seltsame Bezeichnungen von Wochentagen in den bayerischen Dialekt, wo der Dienstag Irtag heißt, vom römischen Gott Ares oder gar vom „Erzketzer“ der Germanen (aus römisch-katholischer Sicht) Arius, und der Donnerstag  pfinstag, der fünfte Tag (vgl. griech. πέντη).

Die Steppenvölker westlich des Wienerwaldes haben wenig hinterlassen, aber die Slawen, welche im Gefolge der Awaren kamen, beherrschten ganze Landstriche kulturell und sprachlich: In Karantanien und nördlich der Donau in Mähren waren sie reichsbildend, in den Alpenvorländern und im Naabtal haben sie gerodet und gesiedelt (siehe dazu „Bayern und Österreich im Mittelalter“ – Band 18, ab S. 11).

Diese Hinweise mögen genügen, um zu zeigen, dass am Anfang der gemeinsamen bayerischen Geschichte nicht nur zahlreiche kulturelle Einflüsse von außen unsere Region in einem Schnittpunkt Europas bestimmten, sondern die Bayern selbst viele und sehr verschiedene Väter und Mütter hatten.

In den nächsten Jahrhunderten bilden die Armalauser mit den in Süddeutschland gebliebenen Romanen (verbliebene römische Legionäre, Gutsherren,  Bauern und Händler), den übrig gebliebenen Kelten, den zugewanderten Bojern, den Markomannen und den in Süddeutschland lebenden, den durchziehenden und sesshaft gewordenen germanischen Stämmen (Hermunduren, Alemannen, Thüringer, Ostgoten, Quaden) und den im Naabtal siedelnden Slawen (sog. Naabwenden), den Stamm der Bajuwaren .

Kleine Stammesgruppen der Armalauser hielten sich bis ins frühe 11. Jahrhundert im Naabtal in Süddeutschland. Wir wissen dies heute nur deshalb noch, da sie dem alten Glauben anhingen und damit bei den Franken und den übrigen Bajuwaren immer wieder in Konflikt gerieten. Die Franken (die Historiker nennen für das Jahr  der Taufe Chlodwigs die Zeit von Weihnachten 497 bis sogar 507) waren schon sehr früh zum römisch-katholischen Christentum übergetreten. Die Bajuwaren folgten im frühen 7./8. Jahrhundert. Vorher waren die Bajuwaren wahrscheinlich Arianer, wobei sich dann aber schon bald der Adel (fränkisch?) und viel später das Volk zum römisch-katholischen Glauben bekannten. So berichtet schon ein Nachfolger des Hl. Korbinian auf dem Freisinger Bischofsthron (nach 750), dass die Masse des bairischen Volkes „durch alte Berührungen mit den Heiden (Armalauser) und verkehrte Lehre (Arianismus) angesteckt“ sei. Immer wieder kommen „Burgunder“, also auch echte Oberpfälzer, zurück nach Baiern, da sie noch bis ins 8. Jahrhundert hinein die Erinnerung an die alte Heimat wachgehalten und gepflegt haben (siehe auch Hans F. Nöhbauer „die Bajuwaren“).

gez.

Hans von der Weyden, einer der Letzten, bei denen noch das Blut der Armalauser lebendig ist.

 

Wir freuen uns über jede Information und Quelle, die ein bisschen mehr Licht in das Dunkel der Geschichte der Armalauser und letztlich auch der Bajuwaren  bringt. Auch für Literaturhinweise bin ich sehr dankbar.

 

Vielen Dank!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichtliche Quellen:

Spuren aus der Frühzeit der ARMALAUSER finden sich auf den römischen Karten wie der „Peutingerschen Tafel“ (Tabula Peutingeriana) im 3. und 4. Jahrhundert nach Christus.                                                                Anhang 1, 2 und 3

Auch finden wir den Namen des Stammes der ARMALAUSI auf Papyrusbelegen für fünf germanische Wörter von Johannes Kramer (Quelle: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Band 42, Heft 1, Seiten 113 – 126)                                                                                                                                                                                 Anhang 4 und 5

Erwähnt werden die Armalauser in „die Geschichte der ACHALM und der Stadt Reutlingen“ von 1831 auf den Seiten 16 und 17.                                                                                                                                                              Anhang 6, 7, 8, 9 und 10.  

Auch sind die Armalauser in „Württembergische Jahrbücher für Geschichte, Geographie, Statistik und Topographie“ im Band 1 erwähnt                                                                                                                                 Anhang 11 und 12.

 

 

 

 

 

Unterlagen fanden wir auch in folgenden Büchern und Zeitschriften:

 

Hans F. NÖHBAUER:

Die Bajuwaren: mit einem sehr ausführlichem Literaturverzeichnis und Quellenangaben.

Hermann DANNHEIMER:

Auf den Spuren der Baiuwaren: Archäologie des frühen Mittelalters in Altbayern.

Freistaat Bayern:

Die Bajuwaren: Begleitbuch zur Landesausstellung von Bayern und Salzburg.

MPZ:

Wer waren die Baiuwaren: Juniorkatalog von MPZ München mit Prähistorischer Staatssammlung München.

Hefte zur Bayerischen Geschichte:

Die Bajuwaren: Band 6 -Archäologische und schriftliche Zeugnisse zu den Anfängen des Baiernvolkes.

Bayern und Österreich im Mittelalter: Band 18

Hermann DANNHEIMER:

Torhalle auf der Fraueninsel: Zeugnisse zur Frühgeschichte.

Bayerische Archäologie:

Heft 1/2007: Das Bajuwarenpuzzle:

Heft 1/2010: Der Aufgang der Bajuwaren:                         

Heft 1/2011: Bayerns erste Bauern:                                   und diverse andere Artikel in anderen Heften dieser Reihe zur Geschichte Bayers bzw. der Bajuwaren.

 Archäologische Staatssammlung München:

Karfunkelstein und Seide: Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit

 DAHN:

 Völkerwanderung: 2. Buch

 Franz NEISKE

Europa im frühen Mittelalter 500 - 1050: Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte

Tatitus

Germania

Michael GRANT

Die Welt des frühen Mittelalters: eine Zeit des Umbruchs

Bruno BLECKMANN

Die Germanen: Von Ariovist bis zu den Wikingern

Herwig WOLFRAM

Die Germanen: C.H.Beck-Reihe Wissen

Gesellschaft für Archäologie

Kleidung im Frühen Mittelalter: Am liebsten schön bunt!

Keltenmuseum Heuneburg

Bunte Tuche & gleißendes Metall: Frühe Kelten der Hallstattzeit

Stadt Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter: Band 19 der Schriftenreihe des Stadtmuseums und Stadtarchivs Sulzbach-Rosenberg-- -Tagung vom 13. - 14. Juni 2002 in Sulzbach-Rosenberg

Thomas FISCHER

Römer und Bajuwaren an der Donau: Bilder zur Frühgeschichte Ostbayerns

Wilfried MENGHIN

Kelten, Römer und Germanen: Archäologie und Geschichte

Hans HOLLÄNDER

Kunst des Frühen Mittelalters: Belser Stilgeschichte

H. Thomas FISCHER und Sabine RIECKHOFF-PAULI

Bavaria Antiqua: von den Römern zu den Bajuwaren

Wilfried MENGHIN

Die Langobarden: Archäologie und Geschichte

Mainfränkisches Museum Würzburg

Eine Welt in Bewegung: Unterwegs zu Zentren des Frühen Mittelalters

Max SPINDLER

Handbuch zur Bayerischen Geschichte: Band 1;     Das alte Bayern, das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts

Max SPINDLER

Handbuch zur Bayerischen Geschichte: Band 3; Geschichte der Oberpfalz

August Benedict WILHELM

Germanien und seine Bewohner: von 1823; besonders Seiten 210 bis 212

Rudolf SIMEK

Lexikon der germanischen Mythologie.

Ernst F. JUNG

Die Germanen: Von der Frühzeit bis Karl dem Großen

Helfried SPITRA +            Uwe KERSKEN

Die Germanen: Neues, Interessantes & Überraschendes

Uta von FREEDEN + Siegmar von SCHNURBEIN

GERMANICA: Unsere Vorfahren von der Steinzeit bis zum Mittelalter.

 

 

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